Sicherheit oder Einschränkung?

Wie ich spontan meinen festen Job aufgab

Neun Jahre lang arbeitete ich in einer Firma – ein Job, den ich als echten Glücksfall empfand: ein festes Einkommen, ein kurzer Arbeitsweg mit dem Fahrrad, nette Kollegen.

Eine entspannte Frau meditiert im Schneidersitz auf einem Schreibtisch neben ihrem Laptop – ein Symbol für innere Ruhe und das Loslassen beruflicher Scheinsicherheit.
Überraschende Laufbahnentscheidungen mit Zen

Toller Job mit Störgefühl

Und doch war da ein Störgefühl. Der Gedanke, diesen Alltag bis zu meiner Rente fortzusetzen, löste ein leichtes Unbehagen aus. Manchmal schaute ich in der Zeitung nach offenen Stellen, um nach einer Abwägung der Vor- und Nachteile zu dem Schluss zu kommen, dass der Status quo vorzuziehen war.

Bis zu dem Moment, als das Unternehmen sparen musste. In den neun Jahren, in denen ich dort arbeitete, habe ich mehrere Umstrukturierungen miterlebt. Die bevorstehenden Veränderungen waren für mich also nichts Neues. Auch wenn dieses Mal drastischere Budgetkürzungen anstanden.

Die Spannung auf den Fluren war mit Händen zu greifen. Wen würde es treffen? Während ich mit meiner langen Betriebszugehörigkeit davon ausgehen konnte, auch diese Umstrukturierungsrunde zu überstehen, brach für viele Mitarbeiter eine Zeit der Unsicherheit an, die das gesamte Arbeitsklima belastete.

Die unsichtbare Prägung aus der Kindheit

Mein Zenlehrer Rients Ritskes hatte mir einige Monate zuvor die Frage gestellt, die er allen seinen Schülern stellt: Was ist die Botschaft, die dir deine Eltern in deiner Kindheit immer wieder mitgaben? Da brauchte ich nicht lange nachzudenken: Meine Eltern betonten stets die Wichtigkeit eines festen Einkommens.

Im Zen geht es darum, solche Konzepte zu durchschauen. Die traditionelle Methode dafür ist Zazen . Doch auch diese Frage meines Lehrers schafft ein Bewusstsein für unsere frühen, von den Eltern überlieferten Konzepte, die unser Denken, unsere Entscheidungen und unser Leben tief prägen.

Das Bedürfnis nach finanzieller Sicherheit saß bei mir so tief, dass allein die Vorstellung, diese zu verlieren, fast existenzielle Ängste auslöste. Das war vielleicht auch der Grund, warum ich länger an meiner sicheren Anstellung festhielt, als es mir guttat.

Spontane Kündigung

An einem Montagmorgen rief der Geschäftsführer das Personal in der Kantine zusammen. Er wollte Klarheit über die bevorstehenden Veränderungen schaffen. Und tatsächlich, die schlimmsten Befürchtungen bewahrheiteten sich. Es müssten erhebliche Einsparungen vorgenommen werden, und ganze Abteilungen würden wegfallen.

Aber es gab auch gute Nachrichten: Mit den Gewerkschaften war ein attraktiver Plan ausgehandelt worden. Es wurde denjenigen eine großzügige Abfindung geboten, die eine freiwillige Kündigung akzeptieren würden. Oder, mit den Worten des Geschäftsführers: „Wenn du schon immer mal etwas anderes in deinem Leben machen wolltest, ist das vielleicht die Chance, das zu verwirklichen. Meldet euch bei mir, wenn ihr diese Möglichkeit nutzen möchtet.“

Im Nachhinein war ich selbst überrascht, mit welcher Entschlossenheit ich mich direkt nach seinen Ankündigungen an den Geschäftsführer wandte, um ihm mitzuteilen, dass ich eine freiwillige Kündigung annehmen würde. Aufgrund meiner Betriebszugehörigkeit wäre ich von den betriebsbedingten Kündigungen ausgenommen gewesen. Ich gab also freiwillig ein gesichertes Einkommen auf, ohne eine Sekunde darüber nachgedacht zu haben. Diese Entscheidung gehört bis heute zu den besten Entscheidungen meines Lebens.


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Leonne Boogaarts, Gründerin und Zen-Lehrerin von Zen-Meditation Berlin

Zen-Lehrerin und Gründerin von Zen-Meditation Berlin

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