Entscheiden mit Zen

Tagtäglich treffen wir Dutzende Entscheidungen. Jeden Tag aufs Neue, kleinere und größere, die unser Leben maßgeblich prägen. Die Qualität unserer Entscheidungen hat einen großen Einfluss auf die Qualität unseres Lebens. Was geschieht eigentlich genau in dem Moment, in dem wir uns entscheiden? Und wie kann Zen uns dabei helfen, bessere Entscheidungen zu treffen?

Eine Illustration einer Frau, die mit zugehaltener Nase vom Sprungbrett ins Wasser springt – symbolisch für den Moment der Entscheidung und das Überwinden von Zweifeln in der Zen-Praxis.

Intuition und Abwägung

Die Entscheidung steht am Ende eines Abwägungsprozesses. Du analysierst, wägst ab, sammelst Informationen, bittest Freunde um Rat und am Ende zeichnet sich ein Weg ab, den du gehen willst. Das ist, was wir an der Oberfläche wahrnehmen. Doch auch auf der unbewussten Ebene geschieht einiges. Oft ist die Intuition maßgeblicher, als wir es ahnen. Regelmäßige Zen-Meditation verfeinert die Wahrnehmung für diese inneren Signale, damit wir sie bewusster in den Entscheidungsprozess einbeziehen können.

Mut zum Nichtwissen

Entscheidungsprozesse kosten viel Energie, da unser Gehirn Ungewissheit als Belastung empfindet und instinktiv nach einem schnellen Abschluss strebt. Fast jeder kennt jedoch auch Phasen, in denen wir den Abschluss hinauszögern, aus Angst, eine falsche Entscheidung zu treffen – unangenehme Phasen des Stillstands, in denen wir oft ins Grübeln geraten.

Genau hier setzt die Zen-Praxis an: Wir üben, den Moment des Nichtwissens zuzulassen, ohne uns von der Angst vor Fehlern lähmen zu lassen. So wird der Weg frei für eine wirklich bewusste Entscheidung.

Startschuss und Dynamik

Obwohl eine Entscheidung vordergründig ein Schlusspunkt ist, markiert sie gleichzeitig einen Startschuss. Mit ihr überschreitest du die Schwelle zu einer völlig neuen Dynamik. Die Zeit der unverbindlichen Überlegungen ist vorbei; eine neue Realität ist entstanden. Du bist ins Wasser gesprungen und musst jetzt schwimmen lernen. So fühlt es sich zumindest für mich an.

Als ich vor Jahren beschloss, eine Zenschule in Berlin zu gründen, war der erste Schritt ziemlich leicht: Ich meldete mich für die Zenlehrer-Ausbildung bei Zen.nl an. Es folgten einige bereichernde Jahre, geprägt von einer lebendigen Zusammenarbeit mit inspirierenden Kolleginnen und Kollegen, von denen ich viel lernen durfte.

Wenn Zweifel locken

Danach wurde es schwieriger. Die Ausbildung war abgeschlossen und es mussten konkrete Taten folgen. Obwohl ich starke Zweifel verspürte, stand eigentlich immer fest, dass ich jetzt keinen Rückzieher machen würde. Dennoch waren die Fragen bohrend: Ist es der richtige Zeitpunkt? Bin ich bereit? Kann ich das überhaupt? Ich war freiberufliche Übersetzerin, keine Unternehmerin. Ich hatte keine Ahnung, wie man eine Website baut, wie man überhaupt Menschen für seine Kurse gewinnt oder was genau ich eigentlich anbieten sollte. Ich musste bei null anfangen.

Die Versuchung war groß, die Ausbildung einfach als eine bereichernde Erfahrung abzuhaken und in mein vertrautes Leben zurückzukehren. Dieser Weg zurück lockte mich sogar sehr, da er die Sicherheit des Vertrauten versprach. Doch gleichzeitig war da die Gewissheit: Ich würde mir diesen Rückzug nicht verzeihen. Auf die Jahre der Ausbildung sollten jetzt auch Taten folgen. Die langfristigen Konsequenzen des Nicht-Handelns würden schmerzhafter sein als die Herausforderungen eines unbekannten Weges.

Commitment durch Taten

Als ich merkte, dass ich die nächsten Schritte vor mir herschob, mietete ich kurzerhand einen Raum und erschwerte mir so den Rückzug. Die Zweifel verstummten und ich konnte mich auf das Wesentliche konzentrieren. Tun ist die Antwort aufs Zaudern.

Die Entscheidung war vielleicht der Abschluss des Abwägungsprozesses, aber vielmehr war sie ein Commitment, einen neuen Weg zu gehen. Um in der Schwimmmetapher zu bleiben: Ich entschied mich, mich nicht an die Küste zu retten, sondern im Wasser zu bleiben. Ab jetzt war „Learning by Doing“ angesagt.


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Leonne Boogaarts, Gründerin und Zen-Lehrerin von Zen-Meditation Berlin

Zen-Lehrerin und Gründerin von Zen-Meditation Berlin

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