Denkmodell

Das Denkmodell (entwickelt von dem Zen-Meister Rients Ritskes) visualisiert die verschiedenen Ebenen unseres Bewusstseins. Das Modell veranschaulicht, wie unverarbeitete Erfahrungen unbewusst unser Handeln beeinflussen und wie wir durch Zen-Meditation den Geist klären können.

Die fünf Ebenen

Um auf einfache Weise zu erklären, wie Zen-Meditation funktioniert und wirkt, unterteilt das Modell unseren Geist und dessen Ausdruck in fünf Schichten.

  • Das Handeln: Die oberste Ebene stellt unser aktives Tun in der Welt dar. Hier bestimmt die Qualität unseres Denkens in hohem Maße die Qualität unseres Handelns.
  • Das Denken: Das bewusste Denken schlägt die Brücke zwischen uns und unserer Umgebung. Hier findet die bewusste Wahrnehmung und Steuerung durch unsere Entscheidungen statt.
  • Das individuelle Unbewusste: In dieser Schicht sind unsere Lebenserfahrungen, Emotionen und Wünsche gespeichert, die unser bewusstes Denken stetig beeinflussen.
  • Das kollektive Unbewusste: Die vierte Schicht ist das kollektive Unbewusste, in dem die Erfahrungen früherer Generationen ruhen. Diese Ebene offenbart sich in der Sprache von Symbolen und Archetypen und ist der Ort unserer Intuition.
  • Die Energie: Den tiefsten Grund des Modells bildet das Einheitsbewusstsein, die spirituelle Quelle allen Seins. Es ist ein reiner, grenzenloser Zustand der Verbundenheit.

Von Bubbles zu Pünktchen

Alles, was uns während der Meditation ablenkt, bezeichnen wir als Bubbles. Sie sind an sich wertneutral. Sie können sowohl negative als auch positive Erfahrungen sowie die Vergangenheit oder die Zukunft betreffen. Ein einfaches Beispiel ist eine schöne Anzeige für eine Reise, die man tagsüber gesehen hat und an die man während der Meditation denkt. Diese Erfahrung ist dann noch unverarbeitet in dem Sinne, dass man sich noch nicht entschieden hat, ob man sie machen will oder nicht. Auch Erfolgserlebnisse müssen – genau wie Misserfolge – verarbeitet werden. Wenn man an einem alten Erfolgsrezept festhält und versucht, es wie einen einst funktionierenden Trick immer wieder zu wiederholen, blockiert das die Sicht auf neue Möglichkeiten.

Bubbles sind an sich kein Problem, jeder Mensch hat sie. Belastend wird es erst durch ein Übermaß. Zu viele Bubbles machen das Leben schwer, trüben unsere Wahrnehmung durch Projektion und führen dazu, dass wir uns kaum noch konzentrieren können. Verarbeitete Erfahrungen nennen wir hingegen „Pünktchen“. Sie stehen uns als reine Einsicht zur Verfügung und belasten uns emotional nicht mehr.

Der Prozess des Zulassens

Im Alltag zeigen sich Bubbles oft als diffuse Frustration oder Ablenkung. Während der Zen-Meditation (Zazen) drängen sie in das Bewusstsein. Wie genau funktioniert das?

Indem wir unsere Atemzüge zählen (Susokukan), halten wir den kognitiven Teil unseres Gehirns beschäftigt. Das hilft uns dabei, die aufsteigenden Bubbles – seien es Erinnerungen oder Verlangen – einfach zuzulassen und zu sehen, anstatt sie aktiv zu bekämpfen oder analysieren zu wollen.

Im Alltag merken wir oft, dass wir abgelenkt sind, Dinge vergessen oder uns nicht konzentrieren können. Aber erst durch die Meditation erkennen wir die eigentliche Bubble hinter dieser Ablenkung. Kleinere Bubbles durchschauen wir während der Meditation oft schnell – wie zum Beispiel eine Aufgabe, die wir schon lange vor uns herschieben. Die Einsicht, dass sie uns ablenkt, führt dazu, dass wir sie erledigen und diese kleine Bubble damit loswerden. Bei größeren Bubbles dauert es länger, bis wir sie durchschauen, und sie tauchen immer wieder auf. Es ist wie bei einem Film, den man sich mehrmals ansieht: Mit jedem Mal sehen wir mehr, bis wir die Bubbles ganz durchschaut haben und sie als Einsichten in unser Bewusstsein dringen. Durch dieses Zulassen und die wertfreie Beobachtung verwandeln sich die Bubbles ganz natürlich in Pünktchen. So werden unverarbeitete Erfahrungen zur Quelle der Einsicht und Inspiration.

Freiheit und Klarheit im Alltag

Diese gewonnenen Einsichten stören die Konzentration nicht mehr. Je mehr Bubbles zu Pünktchen werden, desto klarer wird der Geist, wodurch unsere Aufmerksamkeit sich vertieft. Du gewinnst die Regie über dein Denken zurück – nicht durch Nachdenken oder gar Grübeln, sondern durch den natürlichen Prozess des Verarbeitens durch Zulassen während der Meditation. So lernen wir, schrittweise zu denken, was wir denken wollen, und ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Infografik des Denkmodells von Zen-Meditation Berlin. Es zeigt die Bewusstseinsebenen von Handeln und Denken bis zum Unterbewussten mit "Bubbels" (unverarbeitete Erfahrungen) und "Pünktchen" (verarbeitete Einsichten) nach Rients Ritskes.
Das Denkmodell von Rients Ritskes, visualisiert von Zen-Meditation Berlin. Es zeigt, wie wir durch Meditation unsere „Bubbles“ (unverarbeitete Erfahrungen) zu „Pünktchen“ (Einsichten) verarbeiten.

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