Konflikte, Stress und Zen

Wie Zen-Meditation mir half, Grübeln zu stoppen und Konflikte zu lösen

Stell dir vor, du gibst alles im Job – und plötzlich stehst du im Mittelpunkt eines Konflikts, den du nicht verstehst. So erging es mir zu Beginn meiner Berufslaufbahn. 

Zen ist die Kunst, den Faden zu finden, der zur Lösung von Konflikten führt.

Ich hatte keine Arbeitserfahrung, war aber fest entschlossen, mein Bestes zu geben. Ich arbeitete mich schnell in meiner ersten Stelle ein, übernahm freiwillig zusätzliche Aufgaben und meldete mich stets, wenn neue Projekte verteilt wurden. Meine Vorgesetzten lobten meinen Einsatz – doch mit den beiden Kolleginnen, mit denen ich ein Büro teilte, entwickelte sich eine unangenehme Spannung. Auf meine Frage, woran es genau lag, erhielt ich keine konkrete Antwort. Es ging um die „Atmosphäre“, die sich durch meine Anwesenheit deutlich verschlechtert hatte, meinten sie. Da keine klaren Vorwürfe kamen, beschloss ich, mich weiter nicht an den komischen Kolleginnen zu stören. Die Stimmung verschlechterte sich jedoch mit jedem Tag.

Nach außen hin tat ich, als würde mich das nicht berühren. Doch innerlich fraß der Konflikt an mir. Die Situation beherrschte mein ganzes Leben. Ich kam nicht mehr aus dem Gedankenkreisen heraus. Selbst in Gesprächen mit Freundinnen drehte sich alles um die Arbeit – und ihr Rat, nicht so viel zu grübeln, half mir nicht weiter. Denn wie macht man so was: „nicht grübeln“?

Entspannung durch Zen-Meditation: Ein Strohhalm auf stürmischer See

In dieser schwierigen Zeit fiel mein Blick zufällig auf einen Zeitungsartikel mit dem Titel „Entspannung durch Zen-Meditation“. Was Zen ist, wüsste ich zwar nicht, aber Entspannung brauchte ich auf jeden Fall. Ich meldete mich sofort für den Einführungskurs an.

Im Kurs lernte ich, dass man bei der Zen-Meditation die Ausatmung zählt und, wenn man viel übt, auch im Alltag immer wieder zu seinem Atem zurückfinden kann und dann die gleiche Entspannung empfindet, wie im Meditationsraum. Das, so hieß es, würde helfen, in stressvollen Situationen die Ruhe zu bewahren. Ich griff mit beiden Händen nach diesem Strohhalm und hielt mich an die Empfehlung, zweimal täglich 20 Minuten zu meditieren, und kehrte in schwierigen Situationen immer wieder zur Atmung zurück. Das half tatsächlich.

Nach einigen Wochen hörte das zwanghafte Grübeln auf und es gelang mir wieder, ganze Nächte durchzuschlafen. Durch die Konzentration auf den Atem gewann ich die Regie über mein Bewusstsein und damit über mein Leben zurück.

Zen-Meditation: Mentale Fitness durch Bewusstseinstraining

Sorgen und Grübeln sind für viele Menschen alltägliche Begleiter. Ständig kreisende Gedanken über Vergangenes oder Zukünftiges können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Zen-Meditation bietet einen effektiven Ansatz, um das Gedankenkarussell zu stoppen.

Im Kern geht es in der Sitzmeditation (Zazen) darum, sich darin zu üben, die Gedanken über gestern und morgen loszulassen, und deine Aufmerksamkeit immer wieder auf die Atmung zurückzulenken, und damit auf das, was jetzt ist. Du lernst, diese Fähigkeit auch im Alltag anzuwenden. Das gibt dir die Kraft, dich völlig auf das zu konzentrieren, was du gerade machst.

Sei es das Schreiben eines Berichtes, ein Gespräch mit einer Freundin oder auch nur der Abwasch: Tue es mit größtmöglicher Aufmerksamkeit. Immer wenn du gedanklich abschweifst, richtest du die Aufmerksamkeit auf den Atem und damit auch auf den Bericht, das Gespräch oder den Abwasch. Es gibt nur noch dein atmendes Ich und die Aufgabe, die du gerade machst. Dadurch bleibt wenig Raum für Grübeleien, und du kannst angemessen auf die Situation im Hier und Jetzt reagieren. Diese Übung beruhigt den Geist und schärft das Bewusstsein für den gegenwärtigen Moment.

Leider bietet Zen keine schnelle Lösung. Mentale Fitness braucht wie auch die körperliche Fitness ein ständiges Training. Da sind Geduld und Ausdauer gefragt. In unserer schnelllebigen Gesellschaft, wo wir auf der Suche nach schnellen Lösungen sind, bietet Zen einen anderen Weg: Statt sofortiger Ergebnisse geht es darum, durch regelmäßige Praxis nachhaltige Veränderungen zu erreichen.

Und wie ging es am Arbeitsplatz weiter?

Das Erstaunlichste an der Geschichte war jedoch, was am Arbeitsplatz geschah. In den Wochen, in denen ich mich hauptsächlich mit Zen beschäftigt hatte, hatte sich die „Atmosphäre“ am Arbeitsplatz, wie von selbst verändert. Wir begrüßten uns angemessen und erkundigten uns nach dem Wohlbefinden. Die Spannungen waren verschwunden. Mein beruhigtes Ich war für meine Kolleginnen angenehmer im Umgang als mein grübelndes Ich. Und als ich mich änderte, änderten sich auch meine Kolleginnen.

Im Nachhinein verstehe ich, die Situation, die zum Konflikt führte, auch besser. Das Unternehmen, in dem ich meine erste Arbeitsstelle fand, stand vor großen Veränderungen. Arbeitsplätze würden abgebaut und Stellen würden grundlegend verändert. In meinem Ehrgeiz, mein Bestes zu geben, sah ich nicht, wie meine Kolleginnen mit der Situation haderten. Sie projizierten ihren Frust auf die junge Kollegin, die sich so um jede Aufgabe riss. Und ich war zu unerfahren und zu unsensibel, um die Situation richtig einzuschätzen, und goss mit meinem unachtsamen Verhalten immer wieder Öl aufs Feuer.

Die Meditation stoppte das Grübeln und schuf so Raum für mehr Achtsamkeit für das, was um mich herum war: zwei Kolleginnen, die wie ich eine schwierige Zeit durchmachten. Und das war eigentlich alles, was es brauchte, um wieder gut miteinander klarzukommen.


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