Susokukan (jap. 数息観) ist eine grundlegende, aber tiefgreifende Meditationsübung aus dem Zen-Buddhismus. Es bezeichnet die Praxis, während der Zazen-Meditation die eigenen Atemzüge zu zählen. Diese Methode hilft dabei, den unruhigen, springenden Geist zu bündeln und eine klare innere Beobachtungsgabe zu entwickeln.
Die Bedeutung: Durch das Zählen des Atems sehen
Um das Konzept wirklich zu verstehen, hilft ein Blick auf die drei japanischen Schriftzeichen (Kanji), aus denen sich das Wort zusammensetzt:
- Su (数): Zählen
- Soku (息): Atem
- Kan (観): Sehen, tiefes Betrachten, klares Erkennen
Zusammengesetzt bedeutet Susokukan in unserer Praxis bei Zen-Meditation Berlin so viel wie: „Durch das Zählen des Atems sehen.“ Es geht hierbei nicht um das bloße physische Sehen mit den Augen. Das Zeichen Kan (welches auch im Namen der Bodhisattva Kannon, der „Sehenden/Hörenden“, vorkommt) steht für eine tiefe innere Einsicht. Es ist das klare Wahrnehmen dessen, was im eigenen Bewusstsein passiert.
Wie praktiziert man Susokukan?
Die äußere Form dieser Zen-Übung ist denkbar einfach, was sie sowohl für Anfänger als auch für erfahrene Zen-Praktizierende so wertvoll macht:
- Die Haltung: Man nimmt die aufrechte Sitzhaltung des Zazen ein.
- Das Zählen: Mit jedem Ausatmen wird lautlos im Geist gezählt. Man atmet ein, und beim Ausatmen denkt man „Eins“. Beim nächsten Ausatmen „Zwei“ – und so weiter, bis man bei „Zehn“ angekommen ist.
- Der Neustart: Nach der Zehn beginnt man wieder bei der Eins.
- Der Umgang mit Ablenkung: Wenn man sich verzählt, den Faden verliert oder plötzlich merkt, dass man über den nächsten Einkauf nachdenkt, ärgert man sich nicht. Man kehrt einfach sanft und ohne Urteil wieder zur „Eins“ zurück.
Der tiefere Sinn: Den unruhigen Geist sammeln
Warum zählen wir den Atem? Oft wird fälschlicherweise angenommen, dass Zen-Meditation bedeutet, das Denken zu stoppen oder den Geist komplett zu leeren. Susokukan verfolgt einen anderen, viel natürlicheren Ansatz.
Indem wir unserem aktiven Intellekt eine denkbar einfache, wiederkehrende Aufgabe geben – das Zählen von eins bis zehn –, bieten wir dem unruhigen Geist einen Anker. In der buddhistischen Tradition wird unser Alltagsbewusstsein oft mit einem wilden Affen verglichen, der rastlos von Gedanke zu Gedanke springt. Das Zählen gibt diesem Affengeist eine konkrete Beschäftigung.
Durch diese sanfte Bündelung der Aufmerksamkeit entsteht im Hintergrund eine innere Weite und Ruhe. Alles, was in uns aufsteigt – ob flüchtige Alltagsgedanken, körperliche Empfindungen oder tiefere mentale Muster –, bekommt den Raum, sich zu zeigen.
In unserer Praxis bezeichnen wir diese Ablenkungen auch als „Bubbles“; wie genau diese sich durch die Meditation auflösen, veranschaulicht unser Denkmodell. Anstatt uns mit diesen auftauchenden Phänomenen zu identifizieren oder uns in sie zu verwickeln, nutzen wir den Atem und die Zahl als Geländer. Wir lernen, die Bewegungen unseres eigenen Geistes aus einer klaren Distanz zu betrachten und sie einfach weiterziehen zu lassen. Das ist das wahre „Sehen“ im Susokukan.
Susokukan in der Praxis lernen
Die Theorie des Atemzählens ist einfach, doch die eigentliche Kraft liegt in der kontinuierlichen Praxis. Wenn du in Berlin lebst und diese Meditationstechnik von Grund auf unter Anleitung lernen möchtest, ist unser vierwöchiger Zen-Einführungskurs der perfekte Start.
Susokukan im Alltag
Lies hier, wie diese Methode dir hilft, bewusster und gelassener mit den Herausforderungen des Alltags umzugehen:





