Von Rients Ritskes / Dr. Sietze Graafsma / Bettina Zevenbergen / Zen.nl Niederlande / 29. Januar 2026
Long Covid ist nach wie vor eines der folgenschwersten postviralen Syndrome unserer Zeit. Viele Betroffene leiden noch Monate oder gar Jahre nach der eigentlichen Infektion unter Symptomen wie chronischer Erschöpfung (Fatigue), Konzentrationsschwierigkeiten, Gedächtnisproblemen, Kurzatmigkeit, Kopfschmerzen, Reizbarkeit und Schlafstörungen. Auffällig ist dabei, dass Lunge und Herz bei medizinischen Untersuchungen oft keine organischen Anomalien aufweisen. Dies wirft die zentrale Frage auf: Wo genau liegt die Ursache des Problems?

Neue wissenschaftliche Belege
Aktuelle Forschungsergebnisse, die im Dezember 2025 in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht wurden, werfen ein neues Licht auf die Mechanismen hinter der Erkrankung. Die Studien zeigen, dass Long Covid mit niederschwelligen Entzündungen einhergeht – das Immunsystem findet nicht mehr in seinen Normalzustand zurück und der Körper verharrt in einem dauerhaften Stresszustand. In der medizinischen Fachsprache wird dies als eine Form der immunologischen und autonomen Dysregulation bezeichnet. Diese neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse bestätigen die Hypothese, die wir bereits zuvor veröffentlicht hatten.
Ein Körper, der nicht zur Ruhe kommt
Long Covid bedeutet oft einen Körper, der nicht mehr zur Ruhe findet – der nicht nur erschöpft ist, sondern auch gereizt, fahrig und extrem schnell überlastet. Dieses Krankheitsbild bestätigte sich deutlich in dem sechswöchigen Online-Meditationskurs, den unsere Partnerorganisation Zen.nl 2025 für Betroffene in den Niederlanden angeboten hat. Die Teilnehmer berichteten von massivem „Gehirnnebel“ (Brain Fog) und davon, dass sie sich nach einem kurzen Spaziergang tagelang regenerieren mussten.
Erfreulicherweise gaben viele Teilnehmer an, dass ihnen das Meditieren spürbar geholfen hat. Durch die Praxis erlebten sie zum ersten Mal seit langer Zeit wieder eine Form der Tiefenentspannung, die ihnen zuvor unerreichbar schien. Das war kein Zufall: Unsere Motivation, ein spezielles Programm für Long-Covid-Patienten zu entwickeln, basierte auf einer großangelegten Studie des Erasmus Medical Center. Darin wurde Meditation von den Patienten als eine der hilfreichsten Maßnahmen bewertet. Damals, vor fast zwei Jahren, konnten wir über die Gründe nur mutmaßen. Heute fügen sich die Puzzleteile der Wissenschaft immer klarer zusammen.
Die Verbindung zwischen Geist und Immunsystem
Meditation wird oft noch als rein psychologische oder „sanfte“ Methode missverstanden. Doch die körperorientierte Forschung der letzten zwanzig Jahre zeigt ein anderes Bild: Meditation wirkt sich nicht nur positiv auf die Stimmung aus, sondern hemmt nachweislich die Stressreaktion, senkt den Cortisolspiegel und moduliert das Immunsystem. Da das Nervensystem und das Immunsystem untrennbar miteinander verbunden sind, ist es nur logisch, dass Meditation genau dort ansetzt, wo Long Covid das Gleichgewicht stört.
Während unseres Online-Kurses konnten wir diese positiven Effekte sowohl in den persönlichen Berichten als auch in den begleitenden Daten messen. Klicke hier für die ausführliche wissenschaftliche Auswertung.
Nach sechs Wochen angeleiteter Meditation und täglicher Praxis zu Hause gaben die Teilnehmer signifikant bessere Werte für Energie, Konzentration, Entspannung und allgemeines Wohlbefinden an (siehe Grafik). Über die Zahlen hinaus berichteten viele Teilnehmer, dass sie sich in ihrem eigenen Körper wieder „zu Hause“ fühlten und neues Selbstvertrauen in ihre Genesung gewannen.
Ruhe als Voraussetzung für Heilung
Das Spannende an den neuen biomedizinischen Erkenntnissen ist, dass sie diese Beobachtungen erklären. Wenn das Immunsystem permanent aktiviert bleibt und das Nervensystem im Alarmzustand feststeckt, kann keine Heilung eintreten. Genesung benötigt Ruhe und inneren Raum. Meditation schafft diesen Raum – nicht durch einen Kampf gegen die Symptome und auch nicht durch passives Abwarten, sondern durch das aktive Trainieren von tiefer, regenerativer Ruhe.
Meditation ist sicher kein magisches Heilmittel gegen Long Covid, aber sie hilft dem Organismus, sein verlorenes Gleichgewicht wiederzufinden. Sie ist eine Methode, den Körper bei Heilungsprozessen zu unterstützen, die sich durch bloße Willenskraft nicht erzwingen lassen. Gerade diese Kombination aus physiologischer Wirksamkeit und Sanftheit macht Meditation zu einem überraschend rationalen Ansatz in der Therapie.
Eine neue Perspektive
Langsam entsteht eine neue Erzählweise über Long Covid. Es ist nicht mehr die Geschichte von mysteriösen, irreparablen Schäden, sondern die eines Körpers, der in einem Entzündungs- und Alarmzustand gefangen ist. Diese Perspektive ist hoffnungsvoll: Denn was feststeckt, kann sich auch wieder lösen. Meditation bietet dafür keine Garantie, aber einen fundierten und vielversprechenden Weg. Genau darauf warten viele Menschen mit Long Covid.
Nach dem Erfolg in den Niederlanden im letzten Jahr wird der Kurs „Zen mit Long Covid“ ab dem 9. März mit sechs Online-Treffen nun auch in Deutschland angeboten. Klicke hier für weitere Informationen und zur Anmeldung.
Möchtest du diese Methode selbst ausprobieren?
Um die in der Studie beschriebene regenerative Wirkung für dich zu nutzen, bietet der Online-Kurs „Zen mit Long Covid“ einen begleiteten Rahmen. Das Format ist gezielt auf die besonderen Anforderungen bei Erschöpfung und Belastungsintoleranz (PEM) abgestimmt:
- Online – Teilnahme ist im vertrauten Umfeld möglich.
- Maximal 30 Minuten – kurze Einheiten zur Vermeidung von Überlastung.
- Fokus auf Regeneration – Zen-Meditation zur Beruhigung des Nervensystems.
Am 5. März (10.00 Uhr) findet ein kostenloses Informationstreffen statt. Hier werden die Methodik und der Ablauf des Kurses erläutert.
