Manchmal treffe ich Menschen, die mich fragen, wie ich jetzt zu meiner Entscheidung, Zen-Meditation Berlin zu gründen, stehe und wie es läuft. Wenn ich zur Beantwortung der Frage in mich hineinhorche, verspüre ich innere Ruhe und Gelassenheit. Das überrascht mich, denn es gibt noch schwierige Herausforderungen zu meistern, von denen ich noch keine Ahnung habe, wie ich sie lösen werde. Das sollte mich eigentlich beunruhigen. Diese Woche habe ich darüber nachgedacht, wo diese Ruhe herstammt und denke, eine Antwort gefunden zu haben. Lese weiter und erfahre, wie Kafka mir dabei geholfen hat.
Viel schwieriger als ich dachte
Eine Zen-Schule zu gründen ist viel schwieriger als ich dachte, aber gleichzeitig macht es mir auch viel mehr Spaß, als ich erwartet hatte. Als sich vor Jahren meine ersten Gedanken über diese Entscheidung bildeten, wurde mir bange ums Herz. Mein erster Impuls war: Das kann ich doch gar nicht! Aber ich musste doch noch erst die Zen-Lehrerausbildung bei Zen.nl machen. Bevor es ernst wird, sind noch einige Jahre hin. Also ging ich den Weg weiter. Mit der Zeit wuchs meine Überzeugung und ich wurde dabei immer ruhiger, obwohl die Konsequenzen wüchsen. Die Gründung ist mit einem größeren zeitlichen Aufwand und finanziellen Risiken verbunden. Der Weg dahin wird immer mehr zu einer, auf dem eine Umkehr ohne größere Verluste kaum noch möglich ist.
Keine Zweifel
Im Dezember wurde mir deutlich, dass ich, um weiter wachsen zu können, einen eigenen Raum brauchte. Als mein Zen-Lehrer Rients Ran Zen daraufhin meinte, dass es jetzt einen Moment gibt, in dem ich mich noch einmal fragen sollte, ob ich diesen Weg echt gehen will, kamen keine Bedenken oder Zweifel auf. Das überraschte mich. Ich hatte erwartet, dass es mich tagelang hin- und herreisen würde zwischen ja, vielleicht und auf gar keinen Fall, wie ich das von anderen Entscheidungen kenne. Doch nichts dergleichen – in meinem Kopf herrschte eine ruhige Gewissheit, ohne Wenn und Aber. Es ist dieser Weg, den ich gehen will, muss, soll und ich werde ihm einfach gehen.
Kafkas Parabel
Ich musste an Kafkas Parabel „Vor dem Gesetz“ denken, in der ein Mann um Einlass zum Gesetz bittet. Dem wird ihm jedoch vom Türhüter verwehrt: jetzt nicht, vielleicht später. Er wartet viele Jahre vergeblich vor der offenen Tür und als er den Wächter am Ende seines Lebens fragt, warum denn nie anderen um Einlass gebeten haben, sagt er ihm: „Hier konnte niemand sonst Einlass erhalten, denn dieser Eingang war nur für dich bestimmt. Ich gehe jetzt und schließe ihn.“ Stell dir vor, da gibt es eine Tür, die nur für dich geöffnet ist, und du gehst nicht hinein.
Als ich die geheimnisvolle Parabel wieder mal las, verstand ich plötzlich meine überraschende Ruhe und das gänzliche Fehlen von Bedenken: Ich gehe den Weg, der nur für mich bestimmt ist, und das tut gut. Die Alternative wäre, wie der Mann in Kafkas Geschichte, sein Leben lang auf einem Schemel zu hocken und auf Einlass zu warten. Vielleicht hätte ich, um die Zeit zu vertreiben, andere Wege probiert, die zwar leichter erscheinen, aber eher einem Umherirren voller Unsicherheit ähneln.
Noch mehr Türhüter
Der Türhüter lädt ihn zwar ein, um ohne seine Erlaubnis den Eintritt zu versuchen, aber warnt ihn zugleich: „Wenn es dich so lockt, versuche es doch, trotz meines Verbotes hineinzugehen. Merke aber: Ich bin mächtig. Und ich bin nur der unterste Türhüter. Von Saal zu Saal stehen aber Türhüter, einer mächtiger als der andere.“
Auch ich rechne damit: Nachdem ich die erste Hürde genommen habe, werden noch viele Herausforderungen auf mich warten. Dennoch kann ich mich nicht von den mächtigen Türhütern von meinem Weg abhalten lassen.
Floor Rikken schrieb in ihrem Artikel über Buddha: „… dass ich oft mehr Angst vor dem habe, was ich glaube, was kommt, als vor dem, was hier und jetzt ist.“ Man sollte sich tatsächlich von Warnungen über mächtige Türwächter oder zu erwartenden Herausforderungen nicht zurückhalten lassen. In Kafkas Parabel gibt es letztendlich nur eine offene Tür, einen Wächter, der danebensteht und den Zutritt nicht genehmigt, und die Warnung für noch mächtigere Türhüter. Und der Mann versucht nicht mal hineinzugehen! Vertrödelt stattdessen sein Leben auf einem Schemel vor der Tür.
Wann begann mein Weg?
Aus dem beunruhigenden Gedanken, in Berlin eine Zen-Schule zu gründen, würde ein festes Vorhaben und die Überzeugung, den einen Weg gefunden zu haben, der nur für mich bestimmt ist. Als mein Zen-Lehrer empfahl, meine Entscheidung noch mal zu hinterfragen, fand ich keine Türhüter, die mir den Weg versperrten.
Vor ungefähr dreißig Jahren erlebte ich eine größere Krise und machte einen Zen-Kurs bei einem Lehrer, der die uralte Zen-Praxis zu einem für Europäer begehbaren Weg transformiert hatte. Auf diesem Weg konnte ich wachsen: Ich löste meine Probleme, zog nach Berlin und fasste letztendlich die Entscheidung, Zen-Meditation Berlin zu gründen. Eine Reise, die wohl nicht begann mit der Entscheidung, die Zen-Lehrerausbildung zu machen, aber schon viel eher. Es würde mir nur nach und nach bewusst, dass dies mein Weg ist.
Vorstellung und Realität im Einklang
In meinem vorigen Artikel beschrieb ich, wie laut Buddha das Leiden (Dukkha) entsteht, wenn deine Vorstellung von dem, was du willst, nicht der Realität entspricht. In diesem Artikel beschreibe ich die Ruhe und selbstverständliche Überzeugung, die entstehen, wenn das, was man will und was man macht, im Einklang ist. Ich hoffe damit, alle, die irgendwie noch vor offenen Türen herumtrödeln und auf irgendetwas warten, zu überzeugen, einfach hineinzugehen und sich nicht von eventuellen mächtigen Türhütern einschüchtern zu lassen.
Ob du deinen Weg schon gefunden hast oder nicht, die Zen-Meditation kann dich dabei unterstützen, deinen zu finden oder ihn zu gehen. Versuche in einer Probestunde, ob die Zen-Meditation zu dir passt oder melde dich für den Kurs an.

Leonne Boogaarts
Zen-Lehrerin und Gründerin von Zen-Meditation Berlin
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