Die Kraft der Dankbarkeit – eine Lebenshaltung, die verbindet

Dankbarkeit ist ein Gefühl, das unter bestimmten Voraussetzungen entsteht. Vielleicht fühlst du dich erleichtert, weil jemand dir geholfen hat, ein Problem zu lösen, oder du freust dich, weil dir jemand unerwartet einen Gefallen getan hat. Dankbarkeit entsteht aus diesen Gefühlen und der Erkenntnis, dass du diese positiven Gefühle jemandem anderen verdankst. Auf den ersten Blick scheint Dankbarkeit etwas zu sein, das einem widerfährt, wenn die Umstände günstig sind. Aber ist das wirklich so? In diesem Artikel betrachte ich Dankbarkeit aus einer anderen Perspektive: wieso es sich lohnt, ein dankbarer Mensch zu werden.

Dankbarkeit und deine Gesundheit

Es gibt gute Gründe, ein dankbarer Mensch zu werden, denn sie genießen durchschnittlich eine bessere körperliche und geistige Gesundheit als ihre undankbaren Artgenossen. Wissenschaftliche Studien legen nahe, dass Menschen, die regelmäßig Dankbarkeit praktizieren:

  • besser schlafen
  • eine bessere Stimmung haben
  • engere soziale Beziehungen pflegen
  • weniger Stress erleben
  • ein stärkeres Immunsystem und niedrigeren Blutdruck haben

Dankbarkeit ist zwar kein Wundermittel, sondern eine von mehreren Faktoren, die zur Gesundheit beitragen, aber es lohnt sich, dem weiter nachzugehen. 

Dankbarkeit und Wut

Dankbarkeit und Wut stehen sich gegenüber. Wut entsteht, wenn wir erwarten, etwas zu bekommen, es uns jedoch nicht gewährt wird. Dankbarkeit spüren wir, wenn wir nichts erwarten, aber trotzdem bekommen.

Dankbarkeit und Wut sind erst mal nur Emotionen, die unter bestimmten Voraussetzungen entstehen und auch wieder verschwinden. Sie können sich jedoch verharren zu einer dankbaren oder wütenden Lebenshaltung. Dankbare Menschen sind sich bewusst, was ihnen unerwartet zuteilwird. Wütende Menschen hingegen fixieren sich darauf, was ihnen verwehrt bleibt. Dankbarkeit und Wut sind zwei Gegensätze, zwischen denen zahlreiche Abstufungen existieren. Wo stehst du gerade auf dieser Skala?

Begierde als Ursache der Wut

Buddha nannte Begierde als Ursache des Leidens der Menschen. Überall da, wo Menschen etwas vom Leben abverlangen, was es nicht hergibt, entsteht Leid. Das gilt leider nicht nur für die Gier, Dinge zu besitzen, sondern auch für den Wunsch, kein Leid mehr zu empfinden oder gar den Willen, nichts mehr zu wollen. 

In der späteren Entwicklung des Buddhismus wird nicht so sehr die Begierde als Ursache des Leidens gesehen, sondern vielmehr das Festhalten an der Begierde. Es liegt in der menschlichen Natur, vieles zu wollen. Dies wird jedoch erst dann zum Problem, wenn wir nicht imstande sind, diesen Wunsch loszulassen, wenn wir ihn nicht realisieren können.

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Wer wie ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln reist, möchte, dass der Zug pünktlich ist. Wenn die Umstände eine pünktliche Ankunft des Zuges verhindern, ist es am besten, diesen Wunsch loszulassen und sich mit der Verspätung abzufinden, als wütend auf dem Bahnsteig zu stehen. In einem früheren Artikel beschreibe ich, wie ich mitten in einem Bahnchaos landete und trotzdem einen schönen Tag erlebte.

Die Fähigkeit, Wünsche loszulassen, wenn sie nicht erfüllt werden können, stärkt die innere Resilienz und fördert persönliche Entwicklung. Das ist auch, was wir während der Sitzmeditation üben, wenn wir trotz des Wunsches aufzustehen, ruhig sitzen bleiben und uns auf unsere Atmung konzentrieren.

Dankbar für unser tägliches Brot – Teil 1

Dankbarkeit hat in unserer westlichen Gesellschaft eine normative Konnotation, die auf der christlichen Ethik basiert: Es ist die moralisch richtige Haltung. Wir sollten unseren Eltern dankbar sein, weil sie uns das Leben geschenkt haben und Gott dafür, dass wir täglich zu essen haben. Das weckt in manchen Menschen einen Widerstand gegen Dankbarkeit, den sie eher als Unterwerfung verstehen. Mit der Säkularisierung der Gesellschaft verschwand diese Form der Dankbarkeit. Warum sollte man Gott vor jeder Mahlzeit für das täglich selbst erarbeitete Brot danken? Bei uns zu Hause taten wir es nicht. Die Dankbarkeit würde durch einen säkularen Glauben am selbst gemachten Erfolg abgelöst. Das Bewusstsein für die Rolle unserer Umstände oder anderer Menschen in unserem Leben ist dabei in den Hintergrund getreten.   

Eine Glocke in hellem Mintgrün läutet für wichtige Ankündigungen

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Ich bin Dankbarkeit

Meine Einstellung zur Dankbarkeit änderte sich während einer intensiven Zen-Woche zu diesem Thema grundlegend. Durch die vertiefte Auseinandersetzung mit dem Thema begann ich, meine bisherigen Vorstellungen zu hinterfragen und neue Perspektiven zu entdecken. Wir meditierten mit der Frage „Was ist Dankbarkeit?“ Während der Einführungen wurden verschiedene Aspekte der Dankbarkeit diskutiert, und in den Pausen dachte ich darüber nach, was Dankbarkeit für mich bedeutet. Am Ende der Woche durchströmte mich plötzlich ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit. Gleichzeitig empfand ich eine tiefe Verbundenheit mit allen Lebewesen, als hätte sich eine bis dahin unsichtbare Verbindung zwischen der Welt um mich herum und mir offenbart. Was ist Dankbarkeit? Ich bin Dankbarkeit!

Verbunden in Dankbarkeit

Für mich kam die Erkenntnis, dass Dankbarkeit Verbundenheit bedeutet, sehr überraschend. Aber es ist eigentlich logisch: Wer dankbar ist, sieht seine Mitmenschen als Quelle von Freude und Glück. Das ist die verbindende Erkenntnis, die sich dadurch ausdrückt, indem man den anderen dankt. So entsteht mehr Achtsamkeit für die Bedürfnisse anderer. 

Wo Dankbarkeit ist, entstehen stärkere Beziehungen. Dahingegen führt Wut zu einer Isolierung und dem Zerbrechen menschlicher Beziehungen. Es ist wohl kein Zufall, dass es in diesen Tagen viel Wut gibt, aber auch die Einsamkeit zunimmt.

Dankbarkeit üben: ein Perspektivwechsel

Vor meinem Erlebnis in der Zen-Woche war Dankbarkeit für mich vorwiegend eine Sache der Höflichkeit: Man bedankt sich, wenn man etwas bekommt. Jetzt weiß ich, dass Dankbarkeit eine Lebenshaltung ist, die zu reicheren zwischenmenschlichen Beziehungen und einem intensiveren Glücksempfinden führt.

Dankbarkeit ist dabei weniger eine Charaktereigenschaft als vielmehr eine Fähigkeit, die man üben kann, genau wie Geduld, Achtsamkeit oder Gelassenheit. Und angesichts der vielen positiven Auswirkungen lohnt sich die Mühe auf jeden Fall.

Dankbarkeit erfordert einen Perspektivwechsel: Anstatt sich auf das zu konzentrieren, was man nicht hat, konzentriert man sich auf das, was man hat. Schon hierdurch entsteht ein Bewusstsein für die Fülle des Lebens. Und dann gibt es die vielen Mitmenschen, die täglich daran arbeiten, unsere Bedürfnisse zu erfüllen, von denen wir die meisten gar nicht kennen.

Dankbar für unser tägliches Brot – Teil 2

Unser tägliches Brot ist das Ergebnis einer langen Kette von Menschen und natürlichen Kräften, die zusammenwirken: Vom Bauern, der das Getreide sät und pflegt, über die Müller, die es zu Mehl verarbeiten, hin zu den Bäckern, die daraus Brot backen – viele Hände sind beteiligt. Transportarbeiter bringen die Rohstoffe zu den Produktionsstätten und das fertige Brot in die Läden, wo es von Verkäufern angeboten wird.

Doch unsere Verbindung reicht noch weiter. Ohne die Kräfte der Natur – die Sonne, den Regen und den fruchtbaren Boden – könnte das Getreide nicht wachsen. Wenn wir unser Brot essen, sind wir mit all diesen Menschen, mit der Erde selbst und sogar dem Kosmos verbunden. Dieses Bewusstsein kann unsere Dankbarkeit für das Leben und seine zahlreichen Verflechtungen vertiefen. Indem wir uns dessen bewusst werden, erkennen wir, dass wir nie allein sind, sondern immer Teil eines größeren Ganzen.

Zen ist Lebenskunst

Im Zen-Meditation Berlin verstehen wir Zen als Lebenskunst, in der wir die Fähigkeiten üben, die unser Leben und damit auch das Leben anderer bereichern. Dabei ist der Buddhismus eine wichtige Inspirationsquelle, aber wir lassen uns auch gerne durch die westliche Philosophie, den chinesischen Taoismus und die Weisheit andere Kulturen inspirieren.

Willst du mit uns deine Fähigkeiten für ein reicheres und glücklicheres Leben entwickeln, melde dich für einen Kurs an oder nimm zunächst an einer Probestunde teil.

Jetzt bin ich dir auf jeden Fall dankbar, dass du diesen Artikel bis zum Ende gelesen hast.

Porträt von Leonne Boogaarts, Zenlehrerin und Gründerin von Zen-Meditation Berlin, mit lockigem, schulterlangem braunen Haar, schwarzem Oberteil und hellem Hintergrund.

Zen-Lehrerin und Gründerin von Zen-Meditation Berlin

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