Ein Mann vertraut dem Zettel mehr als seinen Füßen. Warum wir starre Regeln loslassen sollten, um dem Leben direkt zu begegnen.
19. Dezember 2025
Liebe Zen-Freundinnen und Zen-Freunde,
ein Mann wollte sich neue Schuhe kaufen. Zuvor hatte er seine Füße genau gemessen und die Maße auf einen Zettel geschrieben. Als er auf dem Markt ankam, fand er das perfekte Paar Schuhe. Er griff in seine Tasche, fand jedoch den Zettel nicht. „Oh nein“, rief er bestürzt. „Ich habe meine Maße vergessen! Ich kann die Schuhe nicht kaufen.“ Der Schuhverkäufer schaute ihn verblüfft an: „Aber guter Mann, warum probieren Sie die Schuhe nicht einfach an? Ihre Füße haben Sie doch dabei!“ Der Mann schüttelte empört den Kopf: „Auf keinen Fall. Ich vertraue den Maßen auf meinem Zettel mehr als meinen eigenen Füßen. Ich muss erst nach Hause gehen und den Zettel holen.“
Diese Geschichte stammt aus einem klassischen Text, der dem chinesischen Philosophen Han Fei (ca. 280–233 v. Chr.) zugeschrieben wird. Wir lachen über diesen Mann, der einem Stück Papier mehr vertraut als der Wirklichkeit. Aber sind wir wirklich anders?
Mein neuer Artikel handelt von unseren „inneren Zetteln“ – den unbewussten Regeln, die wir befolgen, um uns korrekt zu verhalten und uns abends noch in den Spiegel schauen zu können. Oft merken wir gar nicht, wie sehr diese starren, verinnerlichten Vorgaben unser Handeln bestimmen. Zen ermutigt uns, diese „Benimmzettel“ auch mal zu Hause zu lassen und dem Leben unmittelbar zu begegnen.
Eine Vorwarnung vorab: Auch das spontane Handeln aus dem „Anfängergeist“ heraus garantiert uns nicht, dass wir immer das „Richtige“ tun. Diese Garantie gibt es nicht. Aber vielleicht liegt gerade darin die Freiheit: zu akzeptieren, dass wir Fehler machen werden, und die Angst davor zu verlieren.
➡️ Hier geht es zum Artikel: Der leere Spiegel
Ich wünsche euch für nächste Woche ein schönes Weihnachtsfest.
🙏 Herzliche Grüße
Leonne
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